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Schweißroboter und Schweiß-Cobots: Wann sich der Einsatz im Betrieb lohnt

Schweißroboter sind leichter zugänglich geworden. Entscheidend bleibt aber, welche Bauteile automatisiert werden sollen – und was die gesamte Lösung kostet.

In 30 Sekunden

Worum geht es?

Wann können Schweißroboter und Schweiß-Cobots bei wiederkehrenden Schweißarbeiten sinnvoll unterstützen – und welcher technische, organisatorische und finanzielle Aufwand gehört dazu?

Für wen?

Für alle, die in der metallverarbeitenden Fertigung prüfen möchten, ob sich robotergestütztes Schweißen für ihre Aufgaben eignet – von Schweißfachkräften bis zu Verantwortlichen für Fertigung und Investitionen.

Welchen Nutzen?

Sie erfahren, welche Aufgaben für den Einstieg günstig sind, welche Kosten und Voraussetzungen berücksichtigt werden sollten und warum ein konkreter Teilekorb wichtiger ist als die Frage nach dem Robotertyp.

Wann eignen sich Schweißroboter für den Einsatz im Betrieb?

Wer regelmäßig ähnliche Bauteile schweißt, kann heute auch in einem kleineren Betrieb über Robotik nachdenken. Besonders Schweiß-Cobots, also für die Zusammenarbeit mit Menschen entwickelte Roboter, haben die Einstiegshürde gesenkt: Handführung, grafische Bedienoberflächen und neuere Sensorsysteme können das Programmieren vereinfachen. Die klassische Roboterprogrammierung wird dadurch bei geeigneten Anwendungen weniger wichtig.

Ob sich ein Schweißroboter tatsächlich lohnt, entscheidet sich aber nicht allein an der Bedienung. Wichtig sind vor allem die Bauteile: Wie häufig wiederholen sie sich? Sind die Nähte gut erreichbar? Lassen sich die Werkstücke zuverlässig positionieren und spannen? Wie viel Zeit benötigen Programmierung und Rüsten?

Eine Fraunhofer/MIT-Feldstudie zu kleinen und mittleren Unternehmen beschreibt Losgröße, Geometrie, Nahtlänge, Vorrichtungen und Programmierzeit als wichtige Faktoren. Sie zeigt zugleich, dass Schweißfachkräfte weiterhin eine zentrale Rolle spielen: Ihr Wissen über den Schweißprozess wird nicht überflüssig, sondern um Bedienung und Programmierung des Roboters ergänzt.

Für eine Investitionsentscheidung sollte deshalb nicht die Frage „Brauchen wir einen Cobot?“ am Anfang stehen. Sinnvoller ist: Welche unserer wiederkehrenden Schweißaufgaben eignen sich überhaupt für eine Automatisierung?


Was sind Schweißroboter und Schweiß-Cobots?

Ein Schweißroboter führt den Schweißbrenner automatisiert entlang einer programmierten Bahn und übernimmt dabei wiederkehrende Schweißbewegungen mit hoher Genauigkeit. Im Mittelpunkt dieses Artikels steht das robotergestützte Lichtbogenschweißen, insbesondere das Metall-Inertgas- und Metall-Aktivgas-Schweißen (MIG/MAG). Auch das Wolfram-Inertgas-Schweißen (WIG) wird grundsätzlich mitbetrachtet.

Klassische Industrieroboter sind vor allem für wiederholbare Abläufe und eine hohe Produktivität ausgelegt. Ihre Stärken liegen häufig dort, wo größere Stückzahlen oder klar definierte Prozesse vorliegen. Sie werden in der Regel fest in eine automatisierte Fertigungsumgebung integriert und arbeiten innerhalb eines entsprechend abgesicherten Bereichs.

Was ist ein Schweiß-Cobot?

Schweiß-Cobots verfolgen einen etwas anderen Ansatz. Ein Cobot ist ein kollaborativer Roboter, der grundsätzlich für eine engere Zusammenarbeit mit Menschen ausgelegt ist. Systeme dieser Art lassen sich häufig einfacher bedienen und programmieren, beispielsweise über Handführung oder grafische Benutzeroberflächen. Dadurch können sie auch für kleinere Betriebe und wechselnde Schweißaufgaben interessant sein.

„Kollaborativ“ bedeutet beim Schweißen jedoch nicht, dass Mensch und Roboter automatisch ohne weitere Schutzmaßnahmen unmittelbar nebeneinander arbeiten können. Neben den Bewegungen des Roboters entstehen zusätzliche Gefahren durch den Schweißprozess selbst – etwa durch Lichtbogen, optische Strahlung, Hitze, Schweißspritzer oder Schweißrauch.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) stellt deshalb Anforderungen an die gesamte Anwendung. Dazu können unter anderem eine geeignete Schutzumhausung, eine Anschlussmöglichkeit für die Absaugung sowie CE-Kennzeichnung und Konformitätserklärung gehören.

Für die betriebliche Entscheidung sollte deshalb nicht nur der Roboterarm betrachtet werden. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Roboter, Schweißtechnik, Sicherheitseinrichtungen, Absaugung, Vorrichtungen und Integration. Erst dieses Gesamtsystem bestimmt, wie sicher, praktikabel und wirtschaftlich eine Schweiß-Cobot-Lösung im Betrieb eingesetzt werden kann.

Welche Vorteile bieten Schweiß-Cobots in der Fertigung?

Schweiß-Cobots einfacher programmieren

Eine wichtige Hürde beim Roboterschweißen war lange das Programmieren wechselnder Aufgaben. Beim klassischen Teachen werden Positionen schrittweise angefahren und gespeichert. Das kann bei kleinen Losgrößen viel Zeit beanspruchen.

Bei neueren Schweiß-Cobots lässt sich diese Hürde teilweise reduzieren. Systeme können beispielsweise durch Handführung programmiert werden. Fraunhofer IPA beschreibt außerdem eine gemeinsam mit TRUMPF und Lorch in industrielle Lösungen überführte Sensorlösung: Die Fachkraft positioniert den Roboter grob am Beginn der Schweißnaht. Ein Sensor erfasst anschließend die Naht, während die Software die Bahn und die Orientierung des Brenners berechnet.

Das erleichtert die Roboterbedienung. Das notwendige Schweißwissen ersetzt es nicht. Nahtvorbereitung, Schweißparameter, Brennerlage, Wärmeeintrag, Verzug, Bauteiltoleranzen und Qualitätsanforderungen bleiben wichtig.

Schweiß-Cobots auch bei kleineren Losgrößen einsetzen

Einfachere Programmierung und sensorbasierte Nahtfindung können Schweißroboter für variantenreichere Fertigung zugänglicher machen. Eine pauschale Aussage wie „Losgröße 1 lohnt sich“ lässt sich daraus aber nicht ableiten.

In der Fraunhofer/MIT-Feldstudie begrenzte der Programmieraufwand bei sehr kleinen Losen teilweise den Einsatz. In einem untersuchten Fall wurden trotz einer theoretisch hohen technischen Eignung nur rund drei Prozent der Schweißaufträge mit dem Cobot bearbeitet.

TRUMPF berichtet dagegen für ein konkretes Referenzbauteil mit fünf Nähten von einer um 21 Prozent kürzeren Gesamtzeit einschließlich Programmierung gegenüber dem Handschweißen. Das zeigt, dass auch ein Einzelteil in einer konkreten Anwendung schneller bearbeitet werden kann. Der Wert ist jedoch eine Herstellerangabe und kein allgemeiner Nachweis für andere Bauteile oder Betriebe.

Entscheidend sind deshalb unter anderem Nahtlänge, Zahl der Nähte, Spannaufwand, Wiederverwendbarkeit des Programms und notwendige Nacharbeit.

Fachkräfte durch Schweiß-Cobots entlasten

Robotergestütztes Schweißen kann vor allem bei repetitiven und körperlich belastenden Schweißaufgaben entlasten. Aus der Fraunhofer/MIT-Studie werden außerdem geringere Rauch- und Augenexposition der Schweißenden, eine konstante Schweißqualität und potenziell weniger Nacharbeit berichtet.

Dabei verschiebt sich die Arbeit. In einem untersuchten Betrieb wurden drei Schweißfachkräfte für die Programmierung des Cobots qualifiziert. Die Schulung durch den Integrator dauerte dort weniger als einen Tag; anschließend folgten ein bis zwei Wochen eigenständigen Lernens.

Das Beispiel zeigt: Schweißfachwissen bleibt wichtig. Beschäftigte können zusätzlich Aufgaben beim Einrichten, Programmieren und bei der Qualitätssicherung übernehmen.

Welche Voraussetzungen und Kosten sind bei Schweiß-Cobots zu beachten?

Welche Bauteile eignen sich für Schweiß-Cobots?

Ein Mensch kann beim Handschweißen auf Abweichungen reagieren, ein Werkstück situativ halten oder seine Arbeitsweise anpassen. Ein Roboter ist stärker auf reproduzierbare Bedingungen angewiesen.

Vor einer Investition sollten deshalb reale Bauteile betrachtet werden. Wichtig sind insbesondere Wiederholhäufigkeit, Nahtzugänglichkeit, Bauteiltoleranzen, Spann- und Wendetechnik, Schweißverfahren, Qualität der Vorprozesse und notwendige Nacharbeit. Auch Platz, Materialfluss und die Zuständigkeit für Programme, Schweißparameter, Wartung und Qualität spielen eine Rolle.

Sensorik kann Abweichungen zwischen programmierter und tatsächlicher Schweißnaht teilweise ausgleichen. Wie weit das möglich ist, hängt jedoch vom eingesetzten System und von der jeweiligen Anwendung ab.

Was kostet ein Schweiß-Cobot im Betrieb?

Für eine realistische Rechnung muss das Gesamtsystem betrachtet werden. Dazu können neben Roboter und Schweißquelle auch Tisch und Vorrichtungen, Positionierer, Sensorik, Schutzumhausung, Absaugung und Sicherheitstechnik, Integration, Schulung, Wartung sowie interne Programmier- und Rüstzeit gehören.

Eine 2022 veröffentlichte Fraunhofer/MIT-Studie nannte für die damals betrachteten Schweiß-Cobot-Lösungen Investitionen von ungefähr 50.000 bis 100.000 Euro.

Aktuelle Anbieterbeispiele aus der zugrunde liegenden Marktbetrachtung liegen bei ab 49.000 Euro für ein Komplettpaket beziehungsweise bei 57.999,99 Euro netto als zeitlich begrenztem Aktionspreis für ein anderes Schweißpaket. Diese Preise stammen von Anbietern beziehungsweise Händlern und unterscheiden sich in ihrer Ausstattung. Sie sind deshalb keine neutralen oder unmittelbar vergleichbaren Marktpreise.

Eine allgemeine Amortisationsdauer lässt sich daraus nicht ableiten. Dafür müssen Kosten und möglicher Nutzen am eigenen Teileportfolio gegenübergestellt werden.

Sicherheit bei Schweiß-Cobots richtig planen

Ein Schweiß-Cobot ist nicht allein deshalb sicher, weil sein Roboterarm für kollaborative Anwendungen ausgelegt ist. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung weist darauf hin, dass die komplette Anwendung einschließlich Werkzeug und Werkstück in die Risikobeurteilung einbezogen werden muss.

Beim Schweißen kommen die Gefahren des Schweißprozesses hinzu. Für Details zum Schutzkonzept bieten die Informationen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zu Robotik und kollaborierenden Robotern eine geeignete Vertiefung.

Mit dem eigenen Teileportfolio in die Automatisierung starten

Vor der Beschaffung sollte ein konkreter Teilekorb zusammengestellt werden. Darin lassen sich reale Bauteile nach Wiederholhäufigkeit, Nahtzugänglichkeit, Toleranzen, Spanntechnik, Schweißverfahren, Nacharbeit und heutiger Bearbeitungszeit betrachten.

Anschließend können geeignete Bauteile beim Anbieter oder Integrator probegeschweißt werden. So lässt sich die Entscheidung an tatsächlichen Aufgaben ausrichten, statt zuerst einen Roboter zu kaufen und anschließend nach passenden Anwendungen zu suchen.

Häufige Fragen

Lohnt sich ein Schweißroboter auch für kleine Unternehmen?

Entscheidend ist weniger die Unternehmensgröße als die Art der Bauteile und Aufgaben. Gute Voraussetzungen bieten wiederkehrende Bauteile, gut zugängliche Schweißnähte, reproduzierbare Positionen sowie ausreichend lange oder regelmäßig wiederkehrende Schweißarbeiten. Bei sehr kleinen Losgrößen können dagegen Programmier- und Rüstzeiten den wirtschaftlichen Nutzen begrenzen.

Funktioniert Schweißrobotik auch bei Losgröße 1?

Eine pauschale Antwort ist nicht möglich. Es gibt Herstellerbeispiele, in denen ein Einzelteil einschließlich Programmierung schneller robotergestützt geschweißt wurde als von Hand. Gleichzeitig zeigen Erfahrungen aus kleinen und mittleren Unternehmen, dass sehr kleine Lose am Programmieraufwand scheitern können. Neuere Bedien- und Sensorsysteme können diese Hürde reduzieren.

Muss eine Schweißfachkraft programmieren können?

Klassische Roboterprogrammierung ist bei manchen Schweiß-Cobots weniger wichtig geworden. Handführung und grafische Bedienung können den Einstieg erleichtern. Schweißprozesswissen bleibt jedoch notwendig. In einem untersuchten Betrieb wurden erfahrene Schweißfachkräfte zusätzlich für die Cobot-Programmierung qualifiziert.

Kann ein Schweiß-Cobot ohne Schutzzaun arbeiten?

Beim Schweißen darf nicht nur die Bewegung des Roboters betrachtet werden. Auch Lichtbogen, optische Strahlung, Schweißrauch und weitere Prozessgefahren müssen abgesichert werden. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung fordert für Schweiß-Cobot-Anwendungen eine Schutzumhausung, eine Anschlussmöglichkeit für die Absaugung sowie CE-Zeichen und Konformitätserklärung.

Was kostet ein Schweiß-Cobot?

Eine ältere wissenschaftliche Untersuchung nennt für die betrachtete Marktphase ungefähr 50.000 bis 100.000 Euro Investitionskosten. Aktuelle Anbieterbeispiele in der zugrunde liegenden Betrachtung beginnen bei rund 49.000 Euro. Solche Zahlen sind nur Größenordnungen: Ausstattung und Leistungsumfang unterscheiden sich, und zum Gesamtaufwand gehören weitere Kosten wie Vorrichtungen, Sicherheit, Integration, Schulung und interne Rüst- und Programmierzeit.

Wie lässt sich prüfen, ob sich die Investition lohnt?

Eine pauschale Amortisationsrechnung gibt es nicht. Ausgangspunkt sollte das eigene Teileportfolio sein. Geeignete Bauteile können nach Wiederholhäufigkeit, Nahtzugänglichkeit, Toleranzen, Spanntechnik, Schweißverfahren, Nacharbeit und heutiger Bearbeitungszeit bewertet und anschließend beim Anbieter oder Integrator probegeschweißt werden.