Basisartikel
Was sind soziale Roboter und wo werden sie eingesetzt?
Soziale Roboter sollen Menschen ansprechen, aktivieren und Kommunikation fördern. Besonders in der Pflege werden unterschiedliche Formen erprobt – vom Roboterhaustier bis zum menschenähnlichen Gesprächspartner.
In 30 Sekunden
Worum geht es?
Soziale Roboter sind robotische Systeme, die vor allem auf Kommunikation, Aktivierung, Unterhaltung oder emotionale Unterstützung ausgerichtet sind. Sie übernehmen keine komplexen Pflegehandlungen.
Für wen?
Für alle, die einschätzen möchten, welche Aufgaben soziale Roboter in Pflege und Betreuung übernehmen können – und wo ihre Grenzen liegen.
Welchen Nutzen?
Der Überblick zeigt typische Einsatzmöglichkeiten und hilft dabei, positive Praxiserfahrungen von gesicherten Wirkungen zu unterscheiden.
Soziale Roboter in der Pflege: Unterstützung durch Interaktion
Soziale Roboter in der Pflege unterstützen vor allem bei Interaktion, Aktivierung und Unterhaltung. Sie kommen beispielsweise in Pflegeheimen und Krankenhäusern zum Einsatz, häufig bei älteren Menschen und Menschen mit Demenz. Systeme wie PARO, Pepper oder Navel können Gespräche und Aktivitäten anregen, ersetzen jedoch keine komplexen Pflegehandlungen. Eine gesicherte therapeutische Wirkung lässt sich bislang nicht allgemein ableiten.
Im Pflegealltag geht es bei sozialen Robotern nicht darum, Menschen bei komplexen Pflegehandlungen zu ersetzen. Ihre Aufgabe liegt vor allem in der Interaktion: Sie können Gespräche und gemeinsame Aktivitäten anregen, Unterhaltung anbieten oder Menschen emotional ansprechen.
Zum Einsatz kommen solche Systeme unter anderem in Pflegeheimen und Krankenhäusern. In den untersuchten Anwendungen spielen insbesondere ältere Menschen und Menschen mit Demenz eine Rolle. Beispiele reichen vom Roboterhaustier PARO bis zu menschenähnlicher gestalteten Systemen wie Pepper und Navel.
Die Erfahrungen damit fallen unterschiedlich aus. Viele Praxisberichte beschreiben positive Reaktionen und neue Gesprächs- oder Aktivierungsanlässe. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass soziale Roboter zuverlässig eine therapeutische Wirkung erzielen.
Soziale Roboter in der Pflege: Arten und Einsatzbereiche
Was sind soziale Roboter in der Pflege?
Soziale Roboter sind eine Gruppe robotischer Systeme, bei denen die Interaktion mit Menschen im Mittelpunkt steht. In der Pflege können sie beispielsweise zur Aktivierung, Kommunikation, Unterhaltung oder emotionalen Unterstützung eingesetzt werden.
Die Systeme können sehr unterschiedlich aussehen. PARO ist beispielsweise als Roboterhaustier gestaltet. Pepper ist ein menschenähnlicher Roboter. Auch neuere Systeme wie Navel sind auf soziale Interaktion ausgerichtet.
Eine einzige allgemein verbindliche Einteilung von Robotern in der Pflege gibt es nicht. Neben sozialen und kommunikativen Robotern werden beispielsweise Service- und Logistikroboter, Telepräsenzroboter, körpernahe Assistenzsysteme und Rehabilitationsrobotik unterschieden. Soziale Roboter grenzen sich davon vor allem durch ihren Schwerpunkt auf Kommunikation und Interaktion ab.
Wo werden soziale Roboter in der Pflege eingesetzt?
Ein wichtiges Einsatzfeld ist die Pflege und Betreuung älterer Menschen. Dort können soziale Roboter beispielsweise Aktivitäten begleiten, Gespräche anregen oder für Unterhaltung sorgen.
PARO wurde unter anderem in der Demenzpflege, in Pflegeheimen und im Krankenhaus untersucht. In einer Video-Ethnografie mit zehn Krankenhauspatienten mit Demenz wurde der Roboter als Begleiter, Gesprächsanlass und Quelle positiver Stimmung beschrieben.
Auch Pepper wurde in der Langzeitpflege erprobt. Eine qualitative Pilotstudie beschreibt Freude und neue Aktivitäten, zugleich aber Ambivalenz und erhebliche Schwierigkeiten bei der Einführung.
Navel wurde 2024 im Johanniter-Stift Hannover im Alltag getestet. Ein journalistischer Vor-Ort-Bericht dokumentiert positive Reaktionen, aber auch technische und datenschutzbezogene Hürden.
Potenziale sozialer Roboter in der Pflege
Soziale Roboter fördern Aktivierung und soziale Interaktion
Der derzeit am besten gestützte Nutzen sozialer Roboter liegt bei Interaktion, Aktivierung und situativer psychosozialer Unterstützung. Sie können einen Anlass schaffen, miteinander zu sprechen oder sich mit einer Aktivität zu beschäftigen.
Gerade bei PARO gibt es zahlreiche positive qualitative Erfahrungen. Pflegekräfte in neun australischen Langzeitpflegeeinrichtungen sahen beispielsweise Potenzial für Lebensqualität und Beteiligung. Eine 2026 veröffentlichte qualitative Langzeitpflege-Studie beschreibt ebenfalls, dass PARO die Beteiligung fördern konnte – allerdings besonders dann, wenn Beschäftigte den Einsatz aktiv begleiteten.
Soziale Roboter ergänzen Angebote in der Pflege
Soziale Roboter können bestehende Angebote ergänzen. Pepper wurde beispielsweise für Gymnastik, Spiele, Geschichten oder Trinkerinnerungen eingesetzt. Navel wurde für Gespräche, Aktivierung und Gruppenprogramme erprobt.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass dadurch Personalzeit frei wird. Soziale Roboter benötigen häufig Moderation und Begleitung durch Beschäftigte. Ihr Nutzen sollte deshalb nicht allein daran gemessen werden, ob der Roboter eine Aktivität technisch ausführen kann.
Therapeutische Wirkung sozialer Roboter in der Pflege
Positive Reaktionen sind nicht dasselbe wie eine gesicherte therapeutische Wirkung. Bei der Wirkung sozialer Roboter ergibt sich kein einheitliches Bild. Eine Meta-Analyse randomisierter Studien bei älteren Menschen fand in der zusammengefassten Auswertung keine statistisch signifikanten Verbesserungen bei Unruhe, Angst oder Lebensqualität. Eine andere Meta-Analyse von 14 randomisierten kontrollierten Studien berichtete dagegen Verbesserungen unter anderem bei Depression, Angst, positiven Emotionen und sozialer Interaktion.
Auch eine Übersichtsarbeit zu Robotern für Menschen mit Demenz kam 2022 zu dem Ergebnis, dass PARO und andere Systeme häufig machbar und akzeptiert waren. Eine klare Wirkung auf Kognition, neuropsychiatrische Symptome oder Lebensqualität ließ sich jedoch nicht feststellen.
Für die Praxis heißt das: Ein Roboter kann Menschen ansprechen oder zu einer Aktivität motivieren, ohne dass damit bereits eine medizinische oder therapeutische Wirkung nachgewiesen ist.
Soziale Roboter in der Pflege brauchen menschliche Begleitung
Ein sozialer Roboter arbeitet nicht losgelöst vom Pflegealltag. Die Erfahrungen mit PARO zeigen, dass erfolgreiche Nutzung unter anderem von Arbeitsabläufen, Aufsicht, Infektionsschutz und verfügbaren Ressourcen abhängt.
Auch bei anderen Systemen können Bedienbarkeit, Sprachverständnis und technische Zuverlässigkeit den Einsatz begrenzen. Hinzu kommen Fragen des Datenschutzes, insbesondere wenn Sprache oder andere Daten verarbeitet werden.
Aufwand bei der Einführung sozialer Roboter in der Pflege
Vor einer Einführung sollten Zielgruppe und konkreter Aktivierungsfall geklärt werden. Bewohner und Beschäftigte sollten freiwillig beteiligt und der notwendige Moderationsaufwand eingeplant werden. Auch Datenschutz sowie die Verarbeitung von Sprache und Daten müssen geprüft werden.
Als Einstieg bietet sich ein zeitlich begrenzter Versuch mit vorher festgelegten Erfolgskriterien an. So lässt sich prüfen, ob das System für die konkrete Aufgabe und die beteiligten Menschen tatsächlich einen Mehrwert bietet.
Belastbare und vergleichbare aktuelle Kostenangaben liegen für soziale Roboter nicht durchgängig vor. Kosten wurden bei PARO in Studien und Interviews als Hürde genannt. Einzelne Preisangaben zu anderen Systemen beruhen auf Sekundärquellen und eignen sich ohne weitere Prüfung nicht für eine verlässliche Kostenplanung.
Häufige Fragen
Ersetzen soziale Roboter Pflegekräfte?
Nein. Die beschriebenen Systeme sind vor allem für Kommunikation, Aktivierung, Unterhaltung und emotionale Unterstützung gedacht. Eine belastbare Grundlage dafür, dass soziale Roboter komplexe Pflegearbeit oder ganze Pflegeberufe ersetzen können, liegt nicht vor.
Können soziale Roboter Menschen mit Demenz unterstützen?
Sie werden bei Menschen mit Demenz eingesetzt und häufig gut angenommen. Besonders für PARO gibt es positive Erfahrungen mit Aktivierung, Gesprächsanlässen und emotionaler Ansprache. Die Ergebnisse zu klinischen Wirkungen sind jedoch nicht einheitlich.
Müssen Beschäftigte den Einsatz von sozialen Robotern begleiten?
Häufig ja. Erfahrungen mit PARO und anderen sozialen Robotern zeigen, dass Moderation und Begleitung eine wichtige Rolle spielen können. Ein Roboter ist deshalb nicht automatisch eine Möglichkeit, Personalzeit einzusparen.
Welche sozialen Roboter gibt es?
In den untersuchten Pflegeanwendungen kommen unter anderem PARO, Pepper und Navel vor. Die Systeme unterscheiden sich deutlich in Aussehen und Funktionen. Gemeinsam ist ihnen, dass Kommunikation, Aktivierung oder emotionale Ansprache zu ihren wesentlichen Aufgaben gehören.
Was sollte vor einem Einsatz von sozialen Robotern geklärt werden?
Zunächst sollte feststehen, für welche Zielgruppe und welchen konkreten Aktivierungsfall der Roboter gedacht ist. Außerdem sollten die beteiligten Menschen freiwillig einbezogen, der Moderationsaufwand berücksichtigt und Datenschutz sowie Sprach- oder Datenverarbeitung geprüft werden. Ein zeitlich begrenzter Versuch mit festgelegten Erfolgskriterien kann zeigen, ob der Einsatz im konkreten Alltag funktioniert.
Quellen
10 Quellen anzeigen
- Bundesministerium für Gesundheit / gesund.bund.de: „Digitalisierung in der Pflege“, Abschnitt „Robotersysteme“, Stand 02.01.2026. Verwendet für die Einordnung von Robotersystemen in der Pflege und die Unterscheidung von Assistenz- und Therapierobotern.
- Lee, S. H.; Kim, J. S.; Yu, S.: „The impact of care robots on older adults: A systematic review.“ Geriatric Nursing, 2025. DOI 10.1016/j.gerinurse.2025.103507. Verwendet für die Einordnung unterschiedlicher Formen von Pflegerobotern.
- Yu, C. et al.: „Socially assistive robots for people with dementia: Systematic review and meta-analysis of feasibility, acceptability and the effect on cognition, neuropsychiatric symptoms and quality of life.“ Ageing Research Reviews, 2022. DOI 10.1016/j.arr.2022.101633. Verwendet für die Aussagen zur Machbarkeit und Akzeptanz sowie zur nicht eindeutig belegten Wirkung auf Kognition, neuropsychiatrische Symptome und Lebensqualität. Fundstellen: Abstract/Findings und Conclusion sowie Findings, Discussion und Conclusion der Verlagsfassung
- Abbott, R. et al.: „How do 'robopets' impact the health and well-being of residents in care homes? A systematic review of qualitative and quantitative evidence.“ International Journal of Older People Nursing, 2019. DOI 10.1111/opn.12239. Verwendet für die Aussagen zu PARO und insbesondere zur Verringerung von Unruhe sowie zu den nicht durchgehend statistisch signifikanten Ergebnissen bei weiteren Wohlbefindensmerkmalen. Fundstellen: Results und Abschnitt 3.10 „Quantitative synthesis“.
- Pu, L. et al.: „The Effectiveness of Social Robots for Older Adults: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Studies.“ The Gerontologist, 2019. DOI 10.1093/geront/gny046. Verwendet für die Einordnung der Wirkung sozialer Roboter bei älteren Menschen und das insgesamt gemischte Bild der Studienergebnisse.
- Blindheim, K. et al.: „Promoting activity in long-term care facilities with the social robot Pepper: a pilot study.“ Online veröffentlicht am 14.06.2022, Heftveröffentlichung 2023. DOI 10.1080/17538157.2022.2086465. Verwendet für die Praxiserfahrungen mit Pepper: Freude an Interaktionen und neue Aktivitäten, aber auch Ambivalenz und Schwierigkeiten bei der Einführung. Fundstelle: Abstract.
- Moyle, W. et al.: „Care staff perceptions of a social robot called Paro and a look-alike Plush Toy: a descriptive qualitative approach.“ Aging & Mental Health. PubMed PMID 27967207. Verwendet für die Erfahrungen von Pflegekräften aus neun australischen Langzeitpflegeeinrichtungen mit PARO im Vergleich zu einem nichtrobotischen Plüschtier sowie für die Einordnung der Kosten als Hürde.
- „Exploring the perceptions of people with dementia about the social robot PARO in a hospital setting.“ Video-ethnografische Studie, 2020. Verwendet für die Erfahrungen von zehn Krankenhauspatienten mit Demenz und die Beschreibung von PARO als Begleiter, Gesprächsanlass und Quelle positiver Stimmung.
- Ohno, Y. et al.: „Long-term care residents and staff perspectives on PARO using video-reflexive ethnography (VRE).“ Frontiers in Dementia, 23.06.2026. DOI 10.3389/frdem.2026.1823277. Verwendet für die Aussage, dass PARO die Beteiligung fördern konnte, wenn Beschäftigte den Einsatz aktiv begleiteten, sowie für die Bedeutung von Einbindung in Arbeitsabläufe, Aufsicht, Infektionsschutz und organisatorischen Ressourcen. Die Studie umfasst zehn Bewohner und zehn Beschäftigte einer kanadischen Langzeitpflegeeinrichtung. Fundstellen: Abstract, Results und Conclusion.
- Heise online: „ChatGPT im Pflegeheim: So schlägt sich der soziale Roboter Navel.“ 27.03.2024. Journalistische Vor-Ort-Erfahrung aus dem Johanniter-Stift Hannover. Verwendet für das Praxisbeispiel Navel und die beschriebenen positiven Reaktionen sowie technischen und datenschutzbezogenen Hürden. Diese Quelle ist ein journalistischer Praxisbericht und kein unabhängiger Wirksamkeitsnachweis.