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Was sind Roboter-Hunde und welche Aufgaben können sie übernehmen?

Kontrollgänge durch Treppenhäuser, Anlagen oder schwer zugängliche Bereiche: Vierbeinige Roboter können dorthin gelangen, wo Räder an Grenzen stoßen – und dort unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

In 30 Sekunden

Worum geht es?

Sogenannte Roboter-Hunde sind vierbeinige mobile Roboter. Sie können sich über Treppen, Schwellen und unebene Böden bewegen und dabei Kameras, Wärmebildtechnik oder andere Sensoren mitführen.

Für wen?

Für Betriebe, in denen wiederkehrende Kontroll-, Inspektions- oder Überwachungsaufgaben an schwer zugänglichen, weitläufigen oder potenziell gefährlichen Orten anfallen.

Welchen Nutzen?

Vierbeinige Roboter können einzelne Kontrollgänge, Messungen und Datenerfassungsaufgaben übernehmen oder aus der Distanz ermöglichen. Sie ersetzen dabei nicht automatisch die menschliche Bewertung oder Intervention.

Vierbeinige Roboter: Einsatzmöglichkeiten und typische Aufgaben

Treppen steigen, über Schwellen laufen oder sich auf unebenem Boden bewegen: Genau bei solchen Wegen können vierbeinige mobile Roboter interessant werden. Anders als viele Radroboter sind sie für Umgebungen ausgelegt, die ursprünglich für Menschen geschaffen wurden oder unstrukturiertes Gelände aufweisen.

Professionell eingesetzt oder erprobt werden solche Systeme unter anderem für Inspektionen, Patrouillen sowie Such- und Erkundungsaufgaben. Entscheidend ist dabei nicht allein die Fortbewegung. Der Roboter dient häufig vor allem als bewegliche Plattform für Kameras, Messgeräte und weitere Sensoren.

Ein typischer Einsatz besteht deshalb nicht darin, eine komplette Berufsrolle zu übernehmen. Vielmehr kann der Roboter einzelne Aufgaben erledigen: eine festgelegte Strecke ablaufen, Messwerte aufnehmen, Bilder übertragen oder einen Bereich erkunden, bevor Menschen ihn betreten.

Was ist ein Roboter-Hund?

Ein „Roboter-Hund“ ist technisch ein vierbeiniger mobiler Roboter. Der Begriff beschreibt anschaulich seine Form, ist aber keine eigene technische Kategorie. In der Fachliteratur ist von vierbeinigen beziehungsweise quadrupeden Robotern die Rede.

Die vier Beine ermöglichen es den Systemen, Hindernisse und Gelände zu bewältigen, bei denen Räder an Grenzen kommen können. Dazu müssen sie ihre Körperlage, die Stellung der Beine und die Bodenkontakte fortlaufend koordinieren.

Für die Orientierung nutzen solche Roboter je nach Ausstattung beispielsweise Kameras, Tiefenkameras oder LiDAR. LiDAR erfasst die Umgebung mit Laserlicht und kann dem Roboter bei Navigation und Kartierung helfen. Hinzu kommen Sensoren für die eigene Bewegung sowie Software für Navigation und Bewegungssteuerung.

Wie selbstständig ein Roboter arbeitet, unterscheidet sich von System zu System. Möglich sind Fernsteuerung, unterstützte Bewegung, selbstständige Navigation oder vorgegebene autonome Missionen. „Autonom“ bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ein Roboter ohne menschliche Aufsicht oder Entscheidungen arbeitet.

Welche Aufgaben können vierbeinige Roboter übernehmen?

Vierbeinige Roboter für Anlageninspektion und Messdatenerfassung

Ein gut dokumentierter Einsatzbereich ist die industrielle Inspektion. Vierbeinige Roboter können wiederkehrende Routen ablaufen und dabei beispielsweise Bilder, Wärmebilder, Geräusche oder andere Messwerte aufnehmen. Je nach Ausstattung lassen sich auch Gase erfassen.

So können sie Aufgaben übernehmen, für die Beschäftigte sonst Kontrollgänge durchführen: Instrumente ablesen, Temperaturen beobachten, nach Leckagen suchen oder den Zustand einer Anlage dokumentieren.

BMW nutzt beispielsweise im Motorenwerk Hams Hall einen vierbeinigen Roboter für die Datenerfassung eines digitalen Zwillings. Der Roboter überwacht außerdem Temperaturen und sucht nach undichten Druckluftleitungen.

Vierbeinige Roboter für Patrouillen und Überwachung

Vierbeinige Roboter können auch als mobile Sensorplattformen für Sicherheitsaufgaben dienen. Sie können vorgegebene Strecken patrouillieren, Kamera- und Sensordaten übertragen und Auffälligkeiten an eine Leitstelle melden.

Dabei ist die Trennung zwischen Erkennen und Eingreifen wichtig. In dokumentierten Anwendungen prüfen Menschen weiterhin Meldungen, entscheiden über die weitere Reaktion und übernehmen Aufgaben, die physische Präsenz erfordern.

Bei der Tyndall Air Force Base wurden beispielsweise semi-autonome vierbeinige Roboter in Sicherheitsaufgaben eingebunden. Sie sollten abgelegene Bereiche patrouillieren und den Sicherheitskräften zusätzliche Informationen liefern. Die US Air Force stellte sie ausdrücklich nicht als Ersatz für militärische Diensthunde dar.

Vierbeinige Roboter in gefährlichen Einsatzbereichen

Vierbeinige Roboter können Orte erkunden, deren Betreten für Menschen gefährlich sein kann. Ein dokumentiertes Beispiel stammt aus New York: Nach dem Einsturz eines Parkhauses wurde 2023 ein vierbeiniger Roboter mit Wärmebildtechnik eingesetzt, um das für Einsatzkräfte zu gefährliche Gebäude zu erkunden.

Auch für Suche und Rettung werden solche Systeme erprobt. Bei der DARPA Subterranean Challenge kamen vierbeinige Roboter beispielsweise bei der Erkundung unterirdischer Umgebungen zum Einsatz.

Vierbeinige Roboter auf Baustellen

Auch auf Baustellen werden vierbeinige Roboter eingesetzt. Eine wissenschaftliche Studie von 2022 erprobte einen solchen Roboter auf einer realen Baustelle für die Fernüberwachung des Baufortschritts. Dabei wurden 360-Grad-Livevideo und der Abgleich mit digitalen Bauwerksmodellen und erweiterter Realität eingesetzt.

Vierbeinige Roboter als Assistenzsysteme

Nicht alle Anwendungen sind bereits für den betrieblichen Alltag verfügbar. In der Forschung wird der Einsatz von vierbeinigen Systemen z.B. als Assistenzroboter untersucht. Eine 2023 veröffentlichte Arbeit demonstrierte beispielsweise einen vierbeinigen Führroboter für blinde und sehbehinderte Menschen auf Strecken von mehr als 100 Metern. Das zeigt eine mögliche Anwendung, ist aber kein Nachweis für Marktreife oder Alltagstauglichkeit.

Vierbeinige Roboter: Wann andere Lösungen besser geeignet sind

Vier Beine sind vor allem dort interessant, wo ihre Beweglichkeit tatsächlich gebraucht wird. Auf einem ebenen Hallenboden kann ein Radroboter technisch einfacher und wirtschaftlicher sein.

Aber vierbeinige Systeme stoßen an Grenzen. So zeigte eine Evaluation eines getesteten Systems Schwierigkeiten in engen Räumen, auf rutschigen Oberflächen und beim Überwinden bestimmter Hindernisse.

Weitere praktische Einschränkungen können Batterielaufzeit, Kommunikation und Zuverlässigkeit sein. Welche Sensoren und Funktionen zur Verfügung stehen, hängt außerdem vom jeweiligen System und seiner Ausstattung ab.

Bei der Einführung im Betrieb geht es nicht nur um technische Fragen. Fortgeschrittene Robotik kann Beschäftigte von gefährlichen oder wiederkehrenden Tätigkeiten entlasten. Gleichzeitig können neue physische, psychosoziale und organisatorische Risiken entstehen. Dazu gehören beispielsweise Restrisiken körperlicher Verletzungen, Arbeitsplatzunsicherheit sowie neue Anforderungen an Qualifikation und Organisation.

Für Patrouillen mit Kameras kommen weitere Anforderungen hinzu. Soweit dabei personenbezogene Daten erfasst oder verarbeitet werden, müssen die datenschutzrechtlichen Vorgaben für Videoüberwachung beziehungsweise Videogeräte berücksichtigt werden. Die konkreten Pflichten hängen vom Einsatzfall ab.

Vierbeinige Roboter sollten deshalb nicht danach beurteilt werden, ob sie einen Menschen oder einen Beruf „ersetzen“ können.

Entscheidend ist die konkrete Aufgabe:

  • Muss regelmäßig ein schwer zugänglicher Bereich kontrolliert werden?
  • Sollen Messdaten an einem gefährlichen Ort aufgenommen werden?
  • Oder soll eine Leitstelle zusätzliche Informationen aus einem entfernten Bereich erhalten?

Für solche abgegrenzten Tätigkeiten können vierbeinige Roboter eine technische Möglichkeit sein.

Häufige Fragen

Sind Roboter-Hunde wirklich autonom?

Das hängt vom System und vom Einsatz ab. Vierbeinige Roboter können ferngesteuert werden, bei der Bewegung unterstützt navigieren oder vorgegebene Routen und Missionen selbstständig abarbeiten. Auch bei einer autonomen Patrouille können Menschen weiterhin Meldungen prüfen und über weitere Schritte entscheiden.

Können Roboter-Hunde Treppen steigen?

Vierbeinige Roboter werden gerade für Umgebungen entwickelt, in denen Treppen, Stufen und unebene Böden vorkommen. Die konkrete Leistungsfähigkeit hängt jedoch vom jeweiligen System und von den Bedingungen vor Ort ab.

Welche Sensoren können Roboter-Hunde tragen?

Je nach Plattform und Ausstattung können unter anderem normale Kameras, Wärmebildkameras, LiDAR, Mikrofone sowie Gas- oder andere Messsensoren eingesetzt werden. Nicht jede Funktion gehört zur Standardausstattung.

Können Roboter-Hunde Wachpersonal ersetzen?

Die dokumentierten Anwendungen belegen vor allem die Übernahme einzelner Aufgaben wie Patrouillen, Fernbeobachtung und Datenerfassung. Menschliche Bewertung, Eskalationsentscheidungen und physische Intervention bleiben in den betrachteten Anwendungen wichtig.

Sind Roboter-Hunde nur für Industrie und Sicherheitsdienste interessant?

Nein. Vierbeinige Roboter werden auch für Suche und Rettung, Erkundung, Bauaufgaben und Assistenzanwendungen erforscht oder eingesetzt. Der Entwicklungsstand unterscheidet sich dabei deutlich: Einige Inspektions- und Patrouillenaufgaben werden bereits praktisch eingesetzt, andere Anwendungen befinden sich noch in Forschung und Erprobung.

Quellen

15 Quellen anzeigen
  1. Qin et al. (2026): A comprehensive review of quadruped robots: Vision perception, motion control, applications and challenges. Journal of Automation and Intelligence
  2. ANYbotics: ANYmal – Autonomous Robotic Inspection Solution. Fundstellen: „Super-human senses“, „Technical specifications“.
  3. BMW Group (26.08.2024): SpOTTO – Ein Roboterhund mit vielen Tricks für das BMW Group Werk Hams Hall.
  4. BMW Group: Presseinformation zu SpOTTO; Fundstellen zu digitalem Zwilling, Temperaturüberwachung und Druckluftleckagen.
  5. U.S. Air Force / 325th Fighter Wing (10.11.2020): Computerized canines to join Team Tyndall.
  6. U.S. Air Force / 325th Fighter Wing (25.03.2021): Tyndall brings in the big dogs
  7. City of New York (2023): Mayor Adams Highlights Public Safety Technology With FDNY Commissioner Kavanagh. Fundstelle: Einsatz des Roboterhunds „Bergh“ beim Gebäudeeinsturz.
  8. DARPA (24.09.2021): Team CERBERUS and Team Dynamo Win DARPA Subterranean Challenge Final Event.
  9. ETH Zürich (30.09.2021): Successful participation in robot competition. Fundstelle: Einsatz von vier ANYmal-Robotern durch CERBERUS.
  10. U.S. Department of Homeland Security: VISION 60 Q-Unmanned Ground Vehicle – Urban Operational Experimentation 2022. Fundstelle: Executive Summary
  11. Real-Time and Remote Construction Progress Monitoring with a Quadruped Robot Using Augmented Reality. Buildings 12(11), 2022. Fundstellen: Framework und Evaluation auf realer Baustelle.
  12. Kim et al. (2023): Transforming a Quadruped into a Guide Robot for the Visually Impaired: Formalizing Wayfinding, Interaction Modeling, and Safety Mechanism. Proceedings of Machine Learning Research 229, S. 2288–2303. Fundstelle
  13. Advanced robotics and AI-based systems in the workplace: OSH challenges and opportunities originating from actual implementations.
  14. European Data Protection Board (30.01.2020): Guidelines 3/2019 on processing of personal data through video devices, Final Version.
  15. Datenschutzkonferenz: Orientierungshilfe Videoüberwachung durch nicht-öffentliche Stellen, Stand 17.07.2020.
Was sind Roboter-Hunde und welche Aufgaben können sie übernehmen? – ROKI