Basisartikel
Was ist ein Cobot – und wie unterscheidet er sich vom Industrieroboter?
Cobots können Menschen bei Montage, Maschinenbeschickung oder Schweißen unterstützen. Im Unterschied zur Industrie ist dabei nicht nur der Roboterarm entscheidend, sondern die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.
In 30 Sekunden
Worum geht es?
Ein Cobot ist ein Roboter, der für kollaborative Anwendungen ausgelegt ist. „Kollaborativ“ beschreibt dabei vor allem die Art der Zusammenarbeit zwischen Menschen und Roboter – nicht eine eigene mechanische Bauform.
Für wen?
Für Betriebe, die verstehen möchten, was hinter dem Begriff Cobot steckt und wie sich kollaborative Roboter zu klassischen Industrierobotern verhalten.
Welchen Nutzen?
Sie können besser einschätzen, warum ein Cobot zugleich ein Industrieroboter sein kann, welche Aufgaben infrage kommen und weshalb auch bei kollaborativen Anwendungen ein Sicherheitskonzept notwendig ist.
Einordnung: Industrieroboter vs. Cobot
Beschäftigte legen Teile in eine Maschine ein, führen Montageschritte aus oder schweißen wiederkehrende Verbindungen. Solche Aufgaben können grundsätzlich auch von Robotern übernommen oder unterstützt werden. Wenn Mensch und Roboter dabei enger zusammenarbeiten sollen, kommen kollaborative Roboter ins Spiel.
Ein Cobot – kurz für kollaborativer Roboter – ist für kollaborative Anwendungen ausgelegt. Der Begriff beschreibt also nicht in erster Linie die Form des Roboters, sondern die Art, wie er in einer Anwendung mit Menschen zusammenarbeitet.
Das erklärt auch den Zusammenhang mit dem Industrieroboter: Ein Cobot kann zugleich ein Industrieroboter sein.
„Industrieroboter“ bezeichnet eine grundlegende Kategorie für industrielle Automatisierungsanwendungen.
„Cobot“ beschreibt dagegen ein Konzept für die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter.
Die beiden Begriffe sind deshalb keine Gegensätze.
Was ist ein Industrieroboter?
Industrieroboter können sehr unterschiedlich gebaut sein.
Was ist ein Industrieroboter?
Dazu gehören beispielsweise Gelenkarmroboter, kartesische beziehungsweise Portalroboter, Selective Compliance Assembly Robot Arms (SCARA-Roboter), Parallel- beziehungsweise Delta-Roboter sowie weitere Bauformen.
Welche Bauform passt, hängt unter anderem von der benötigten Reichweite, Nutzlast, Geschwindigkeit, Genauigkeit und dem Arbeitsraum ab.
Was ist ein Cobot?
Ein kollaborativer Roboter, häufig Cobot genannt, ist für eine Anwendung ausgelegt, in der Mensch und Roboter enger zusammenarbeiten können.
Dabei ist „Cobot“ keine eigene mechanische Bauform. Ein Gelenkarmroboter kann beispielsweise als kollaborativer Roboter eingesetzt werden.
Typische Aufgaben sind:
- Maschinenbeschickung
- Montage
- Schrauben
- Kleben
- Schweißen
- Schleifen
- Qualitätsprüfung
- Verpackung
- Aufnehmen und Ablegen von Teilen
- Labor- und Serviceanwendungen
Ob ein kollaborativer Roboter für eine Aufgabe geeignet ist, hängt allerdings nicht allein vom Roboterarm ab. Auch Werkzeug, Werkstück, Geschwindigkeit, Kräfte und Arbeitsraum gehören zur Anwendung.
Cobot oder Industrieroboter – wo liegt der Unterschied?
„Industrieroboter“ und „Cobot“ beschreiben unterschiedliche Eigenschaften eines Roboters.
Ein Industrieroboter wird über seinen Einsatz in der industriellen Automatisierung eingeordnet. Der Begriff Cobot beschreibt dagegen, dass ein Roboter für eine kollaborative Anwendung vorgesehen ist.
Deshalb kann beispielsweise ein Gelenkarmroboter gleichzeitig:
- aufgrund seiner Bauform ein Gelenkarmroboter,
- aufgrund seines Einsatzes ein Industrieroboter und
- aufgrund der vorgesehenen Zusammenarbeit ein kollaborativer Roboter sein.
Für Betriebe ist diese Unterscheidung wichtig. Die Frage „Cobot oder Industrieroboter?“ greift häufig zu kurz. Sinnvoller ist zu klären, welche Aufgabe automatisiert werden soll und wie Mensch und Roboter dabei miteinander arbeiten sollen.
Chancen beim Einsatz von kollaborativen Robotern
Unterstützung bei klar abgegrenzten Aufgaben
Kollaborative Roboter können bei wiederkehrenden und ausreichend standardisierten Tätigkeiten interessant sein. Dazu gehören beispielsweise das Einlegen von Werkstücken in Maschinen, Montageschritte, Schweißen, Schleifen oder Verpacken.
Gerade für kleine und mittlere Unternehmen können kollaborative Roboter interessant sein, wenn Aufgaben variantenreich oder nur teilweise automatisiert werden sollen. Sie sind häufig kompakter und leichter umzurüsten als klassische fest aufgebaute Roboterlösungen.
Ob sich der Einsatz tatsächlich lohnt, hängt aber stärker vom gesamten Arbeitsablauf und von der Integration ab als vom Roboterarm allein.
Mensch und Roboter können Aufgaben aufteilen
Bei einer kollaborativen Anwendung müssen nicht zwangsläufig alle Arbeitsschritte automatisiert werden. Der Roboter kann einzelne wiederkehrende Teilaufgaben übernehmen, während andere Tätigkeiten beim Menschen bleiben.
Entscheidend ist, die konkrete Aufgabe zu betrachten: Wie oft kommt sie vor? Wie gleichförmig ist sie? Welche Teile oder Werkzeuge müssen gehandhabt werden? Und wie müssen sich Mensch und Roboter dabei im Arbeitsbereich bewegen?
Grenzen beim Einsatz von kollaborativen Robotern
Kollaborativ bedeutet nicht automatisch ohne Schutzmaßnahmen
Ein Cobot ist nicht automatisch in jeder Anwendung ohne trennende Schutzeinrichtung sicher einsetzbar.
Für die Sicherheit zählt die vollständige Anwendung. Dazu gehören neben dem Roboter beispielsweise:
- das eingesetzte Werkzeug oder der Greifer
- das Werkstück
- Geschwindigkeit und Kräfte
- der gemeinsame Arbeitsraum
- mögliche Kontakte zwischen Mensch und Roboter
Deshalb muss das Gesamtsystem beurteilt werden. Je nach Anwendung können zusätzliche technische Schutzmaßnahmen notwendig sein.
Die konkrete Anwendung braucht eine Risikobeurteilung
Auch bei einem kollaborativen Roboter gehört eine Risikobeurteilung zur Einführung. Sie muss die konkrete Aufgabe und die Arbeitsumgebung berücksichtigen.
Je nach Anwendung können außerdem Messungen von Kollisionskräften und -drücken notwendig werden. Hinzu kommen eine sichere Steuerung und Sensorik sowie die Schulung der Beschäftigten.
Ein als „Cobot“ bezeichnetes Produkt allein macht also noch keine sichere, einsatzfertige Anwendung.
Der Roboterarm ist nur ein Teil der Lösung
Für eine betriebliche Anwendung werden neben dem Roboter häufig weitere Komponenten benötigt. Dazu können beispielsweise Greifer oder Werkzeuge, Werkstückzuführung, Programmierung, Sensorik und Schnittstellen zu Maschinen gehören.
Auch Programmierung und Integration können einen erheblichen Teil des Gesamtaufwands ausmachen. Deshalb sollte ein Betrieb nicht allein auf den Preis oder die Eigenschaften des Roboterarms schauen.
Nicht jede Aufgabe passt zu einem Cobot
Kollaborative Roboter sind besonders interessant, wenn eine Aufgabe ausreichend standardisierbar ist und eine flexible oder teilweise Automatisierung sinnvoll erscheint.
Für die Wirtschaftlichkeit spielen unter anderem Häufigkeit und Auslastung der Aufgabe, Umrüst- und Programmieraufwand, Sicherheitsanforderungen sowie verfügbares betriebliches Wissen eine Rolle.
Häufige Fragen
Was bedeutet Cobot?
Cobot ist die gebräuchliche Kurzform für einen kollaborativen Roboter. Gemeint ist ein Roboter, der für kollaborative Anwendungen ausgelegt ist, bei denen Mensch und Roboter enger zusammenarbeiten.
Ist ein Cobot ein Industrieroboter?
Ein Cobot kann zugleich ein Industrieroboter sein. Die Begriffe beschreiben unterschiedliche Ebenen: „Industrieroboter“ bezeichnet den industriellen Einsatz, während „Cobot“ die Auslegung für eine kollaborative Anwendung beschreibt.
Ist jeder Industrieroboter ein Cobot?
Nein. Industrieroboter umfassen eine breite Gruppe verschiedener Robotersysteme und Anwendungen. Nur wenn ein Roboter für eine kollaborative Anwendung ausgelegt ist, wird er in diesem Zusammenhang als kollaborativer Roboter bezeichnet.
Braucht ein Cobot einen Schutzzaun?
Nicht jede kollaborative Anwendung ist automatisch ohne trennende Schutzeinrichtung zulässig. Ob und welche Schutzmaßnahmen erforderlich sind, hängt von der konkreten Anwendung einschließlich Werkzeug, Werkstück, Geschwindigkeit, Kräften und Arbeitsraum ab.
Welche Aufgaben kann ein Cobot übernehmen?
Mögliche Aufgaben sind Maschinenbeschickung, Montage, Schrauben, Kleben, Schweißen, Schleifen, Qualitätsprüfung, Verpackung sowie das Aufnehmen und Ablegen von Teilen. Auch Labor- und Serviceanwendungen kommen infrage.
Sind Cobots besonders für kleine und mittlere Unternehmen geeignet?
Sie können für kleine und mittlere Unternehmen interessant sein, insbesondere bei standardisierten, variantenreichen oder teilweise automatisierten Aufgaben. Ob der Einsatz wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt jedoch vom gesamten Arbeitsablauf, der Auslastung und dem Integrationsaufwand ab.
Ist ein Cobot nach dem Kauf sofort einsatzbereit?
Nicht automatisch. Für eine betriebliche Anwendung müssen unter anderem Aufgabe, Werkzeug beziehungsweise Greifer, Werkstückzuführung, Programmierung, Sicherheit und Arbeitsumgebung berücksichtigt werden. Die gesamte Anwendung muss passend ausgelegt und beurteilt werden.
Quellen
5 Quellen anzeigen
- International Federation of Robotics (IFR): „Industrial Robots“.
- Mittelstand-Digital: „Leichtbauroboter in der Produktion – Ein Praxisleitfaden“.
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Institut für Arbeitsschutz (IFA): „Kollaborierende Roboter (COBOTS)
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Institut für Arbeitsschutz (IFA): „Kollaborierende Roboter – Technische Schutzmaßnahmen“.
- International Federation of Robotics (IFR): „Traditional robot programming vs AI & machine vision“